Zum Inhalt springen

Architektur – Die Leistungsphasen der HOAI einfach erklärt

Warum solltest du die Leistungsphasen kennen?

Die Leistungsphasen zeigen dir, welche Schritte ein Bauprojekt typischerweise durchläuft.

Das hilft dir dabei,

  • Stellenanzeigen besser einzuordnen,
  • Büroprofile besser zu verstehen,
  • im Bewerbungsgespräch gezieltere Fragen zu stellen,
  • deine Praxiszeit bewusster zu planen,
  • und herauszufinden, welche Tätigkeiten dir wirklich liegen.

Gerade für angehende Architekt:innen ist wichtig: Für die spätere Kammerzulassung kann es relevant sein, welche Aufgaben du in deiner Berufspraxis tatsächlich kennengelernt hast. Nicht jedes Büro deckt alle Leistungsphasen ab.

Auch für Bauingenieur:innen lohnt sich der Blick auf die Leistungsphasen: Je nach Tätigkeit arbeitest du stärker in Planung, Berechnung, Ausschreibung, Bauüberwachung oder Projektsteuerung. Für spätere Verantwortung, Selbstständigkeit oder bestimmte Berechtigungen kann das wichtig werden.

Die 9 Leistungsphasen im Überblick

1. Grundlagenermittlung

Am Anfang steht die Frage: Was soll eigentlich gebaut werden?

In dieser Phase klären Planer gemeinsam mit Auftraggeber die grundlegenden Ziele und Rahmenbedingungen eines Projekts.

Typische Aufgaben sind:

  • klären, was gebaut werden soll,
  • Ortsbesichtigung,
  • Aufgabenstellung verstehen,
  • Budgetrahmen klären,
  • Beratungsbedarf einschätzen,
  • erste Rahmenbedingungen sammeln.

Diese Phase wirkt manchmal unspektakulär, ist aber enorm wichtig. Wenn die Grundlagen nicht sauber geklärt sind, entstehen später schnell Missverständnisse, Planungsänderungen oder Kostenprobleme.

2. Vorplanung

In der Vorplanung entstehen erste Konzepte und Varianten.

Hier wird geprüft, welche Lösungen grundsätzlich möglich sind und welche Richtung das Projekt nehmen könnte.

Typische Aufgaben sind:

  • Planungskonzept mit Alternativen entwickeln,
  • städtebauliche, gestalterische, funktionale und technische Zusammenhänge klären,
  • erste Abstimmungen mit Behörden,
  • groben Terminplan erstellen,
  • Kostenschätzung, zum Beispiel nach DIN 276,
  • Ergebnisse zusammenfassen und dokumentieren.

Je nach Projektart können unterschiedliche Aspekte besonders wichtig sein: Bei Freianlagen geht es etwa stark um Ökosysteme und Flächenverteilung, bei Verkehrsanlagen um Schallschutz und bei Ingenieurbauwerken um Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Abstimmung mit Behörden.

3. Entwurfsplanung

In der Entwurfsplanung wird aus der ersten Idee ein konkreter Entwurf.

Die Ergebnisse aus der Vorplanung werden weiterentwickelt und gestalterisch, technisch und funktional präzisiert.

Typische Aufgaben sind:

  • Entwurf auf Basis der Vorplanung ausarbeiten,
  • Gesamtentwurf zeichnerisch darstellen,
  • Ergebnisse anderer Fachplaner integrieren,
  • Objektbeschreibung erstellen,
  • Kostenberechnung nach DIN 276 erstellen.

Diese Phase ist besonders prägend, weil hier viele wesentliche Entscheidungen getroffen werden: Wie sieht das Projekt aus? Wie funktioniert es? Welche technischen und gestalterischen Lösungen werden verfolgt?


4. Genehmigungsplanung

In der Genehmigungsplanung geht es darum, das Projekt genehmigungsfähig zu machen.

Dafür werden alle Unterlagen vorbereitet, die für die öffentlich-rechtliche Genehmigung notwendig sind.

Typische Aufgaben sind:

  • Bauvorlagen und Nachweise vorbereiten,
  • Unterlagen bei der Behörde einreichen,
  • Rückfragen oder Änderungswünsche bearbeiten,
  • Planungsunterlagen, Beschreibungen und Berechnungen anpassen.

Bei Ingenieurbauwerken und Verkehrsanlagen können zusätzlich Grunderwerbspläne, Grunderwerbsverzeichnisse, Erläuterungstermine oder Stellungnahmen erforderlich werden. In der Tragwerksplanung geht es unter anderem um statische Berechnungen, Positionspläne und Abstimmungen mit Prüfämtern oder Prüfingenieur.

Diese Phase zeigt besonders deutlich, dass Planung nicht nur Gestaltung oder Technik ist, sondern auch Abstimmung, Verantwortung und rechtliche Einordnung.

5. Ausführungsplanung

In der Ausführungsplanung wird das Projekt so detailliert ausgearbeitet, dass es tatsächlich gebaut werden kann.

Die Planung muss zeichnerisch und textlich so präzise sein, dass Handwerker, Bauunternehmen und andere Beteiligte damit arbeiten können.

Typische Aufgaben sind:

  • detaillierte Pläne erstellen,
  • Bauteile, Anschlüsse, Leitungen, Balken oder technische Details darstellen,
  • technische Vorgaben präzisieren,
  • Montagepläne auf Übereinstimmung mit der Ausführungsplanung prüfen.

Diese Phase ist weniger „große Idee“ und mehr Präzision. Sie ist entscheidend dafür, ob ein Entwurf auf der Baustelle wirklich funktioniert.

6. Vorbereitung der Vergabe

In dieser Phase wird vorbereitet, welche Firmen welche Leistungen anbieten sollen.

Ziel ist es, passende Unternehmen zu finden und Leistungen so zu beschreiben, dass Angebote vergleichbar werden.

Typische Aufgaben sind:

  • Mengen anhand der Ausführungsplanung ermitteln,
  • Leistungsverzeichnisse erstellen,
  • Leistungsbeschreibungen formulieren,
  • Kosten ermitteln und mit der bisherigen Kostenberechnung abgleichen,
  • Vergabeunterlagen zusammenstellen,
  • Vergabeterminplan erstellen.

Hier wird deutlich: Gute Planung braucht nicht nur Zeichnungen, sondern auch klare Beschreibungen, saubere Mengen und realistische Kosten.

7. Mitwirkung bei der Vergabe

Jetzt werden Angebote eingeholt, geprüft und bewertet.

Planer unterstützen Auftraggeber dabei, geeignete Firmen auszuwählen.

Typische Aufgaben sind:

  • Vergabe koordinieren,
  • Angebote prüfen,
  • Auftraggeber bei Entscheidungen unterstützen,
  • Preisspiegel erstellen und bewerten,
  • Vergabevorschläge erarbeiten,
  • Verfahren dokumentieren,
  • Ausschreibungsergebnis mit Kostenberechnung vergleichen.

Diese Phase ist wichtig, weil hier fachliche, wirtschaftliche und organisatorische Fragen zusammenkommen. Es geht nicht einfach darum, das billigste Angebot zu wählen, sondern ein passendes und belastbares Angebot zu finden.

8. Objektüberwachung

Die Objektüberwachung gehört zu den wichtigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben im Bauprozess.

Hier geht es darum, die Ausführung auf der Baustelle zu begleiten und zu kontrollieren.

Typische Aufgaben sind:

  • Aufgaben der Bauleitung übernehmen,
  • Bauzeit im Blick behalten,
  • Kosten kontrollieren,
  • Leistungen prüfen,
  • Unterlagen kontrollieren,
  • Mängel und Abweichungen dokumentieren,
  • Bauablauf nachvollziehbar festhalten.

Diese Phase ist besonders praxisnah. Sie erfordert technisches Verständnis, Kommunikation, Organisation und Durchsetzungsfähigkeit. Gleichzeitig ist sie für viele Berufswege sehr wertvoll, weil du hier lernst, wie Planung in der Realität umgesetzt wird.

9. Objektbetreuung und Dokumentation

Nach der Fertigstellung ist ein Projekt nicht sofort „weg“.

In der Objektbetreuung geht es unter anderem darum, Mängel innerhalb der Gewährleistungsfrist zu kontrollieren und das Projekt sauber abzuschließen.

Typische Aufgaben sind:

  • Kontrolle von Mängeln innerhalb der Gewährleistungsfrist,
  • Mitwirkung bei der Freigabe von Sicherheitsleistungen,
  • Abschlussdokumentation erstellen,
  • Unterlagen für Betrieb, Nutzung und spätere Nachweise zusammenstellen.

Diese Phase wird leicht unterschätzt. Sie ist aber wichtig, weil sie den professionellen Abschluss eines Projekts sichert und spätere Fragen nachvollziehbar macht.

Was bedeutet das für deinen Berufseinstieg?

Nicht jedes Büro bearbeitet alle Leistungsphasen. Manche Büros sind stark im Entwurf, andere in Ausführungsplanung, Bauleitung, Projektsteuerung oder Spezialthemen.

Deshalb lohnt es sich, bei Praktika, Werkstudentenstellen oder dem ersten Job genau hinzuschauen:

  • Welche Projektphasen lerne ich kennen?
  • Arbeite ich nur an Teilaufgaben oder bekomme ich den Gesamtprozess mit?
  • Gibt es Einblicke in Genehmigung, Ausführung oder Objektüberwachung?
  • Werden meine Tätigkeiten dokumentiert?
  • Passt das zu meinen beruflichen Zielen?

Für Architekt:innen kann das besonders wichtig sein, weil die spätere Kammerzulassung in der Regel nicht nur eine bestimmte Dauer der Berufspraxis voraussetzt, sondern auch relevante praktische Erfahrungen. Wenn du in den ersten Berufsjahren nur sehr eingeschränkte Tätigkeiten ausübst, kann sich der Weg zur Eintragung verzögern.