Text: Oliver G. Kleiner
Fotos: Ute Zeller, Hans Peter Mürz, Oliver G. Kleiner
Gemeinsam, regional, stärker. Unter diesem Leitgedanken haben die BDB-Landesverbände Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland am 19. September 2026 erstmals zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen. Das Ziel: über Landesgrenzen hinweg intensiver miteinander ins Gespräch kommen, fachliche Impulse geben und vor allem den persönlichen Austausch unter den Kolleg:innen fördern. Die Premiere in Karlsruhe ist dabei rundum gelungen: Von Saarbrücken bis Darmstadt, von Neuwied bis Tuttlingen waren BDB-Mitglieder angereist, um gemeinsam einen abwechslungsreichen Tag in der „Residenz des Rechts“ zu erleben. Bei herrlichem Spätsommerwetter hätte der Auftakt kaum besser gelingen können.
Karlsruhe – auf den Spuren des Rechts
Zum Auftakt führte die Architektin Ilona Gäng von „Stattreisen Karlsruhe“ die BDB-Gruppe durch die Karlsruher Innenstadt. Unter dem Titel „Im Namen des Volkes – Karlsruhe hat gesprochen“ ging es auf die Spuren der Stadt als deutsches Zentrum der Rechtsprechung. Mit großer Sachkenntnis und viel Gespür für die besonderen Geschichten hinter den Gebäuden vermittelte Ilona Gäng nicht nur Wissenswertes über die Karlsruher Justiz, sondern schlug immer wieder die Brücke zwischen Stadtgeschichte, Architektur und gesellschaftlicher Entwicklung.
Die BDB-Besuchergruppe erfuhr dabei, weshalb Karlsruhe zur „Residenz des Rechts“ wurde und welche Bedeutung die Stadt bis heute als Sitz zentraler deutscher Justizinstitutionen besitzt. Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft – gerade mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wurde dabei auch deutlich, welch hohe Bedeutung unabhängige Gerichte und starke rechtsstaatliche Institutionen für unsere Demokratie haben.
Von der Stadtgeschichte zur „Karlsruher Kombilösung“
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wechselte die Perspektive: Vom historischen Stadtraum ging es buchstäblich unter die Erde. Die „Karlsruher Kombilösung“ stand im Mittelpunkt des Nachmittags. Für den fachlichen Blick auf das anspruchsvolle Infrastrukturprojekt konnte Dipl.-Ing. (FH) Peter Rothenhöfer, Geschäftsführer der KIEFER + KREBS Ingenieure GmbH Karlsruhe, gewonnen werden. In seinem fachlich hervorragend aufbereiteten Vortrag erläuterte er anschaulich die technischen Zusammenhänge und gab den Baumeister:innen interessante Einblicke in die Planung, Umsetzung und besonderen Herausforderungen der Kombilösung. Dabei verstand es Rothenhöfer, auch komplexe technische Zusammenhänge verständlich und lebendig zu vermitteln. Anschließend konnte die BDB-Gruppe die technischen Besonderheiten der unterirdischen Straßenbahnhaltestellen unmittelbar vor Ort erleben. So wurde der Nachmittag zu einer außergewöhnlichen Fachveranstaltung: praxisnah, anschaulich, technisch fundiert und direkt am realisierten Projekt.
Wenn Technik zur Kunst wird
Doch die Karlsruher Unterwelt hat noch eine weitere Besonderheit zu bieten: Kunst! BDB-Mitglied Dr. Karl-Heinz Schmidt übernahm vor Ort die Führung durch die Haltestellen und lenkte den Blick auf die zahlreichen gestalterischen Besonderheiten. Dabei wurde schnell deutlich, dass die unterirdischen Stationen keineswegs bloße Verkehrsbauwerke sind. Beeindruckend ist das mit einem Design-Award ausgezeichnete Lichtkonzept, das den Haltestellen ihren jeweils eigenen Charakter verleiht. Licht wird hier nicht nur funktional eingesetzt, sondern als prägendes Gestaltungselement verstanden. Ein weiterer Höhepunkt war die Begegnung mit den einzigartigen Keramikkunstwerken des renommierten Künstlers Markus Lüpertz. Unter dem Titel „Genesis“ wurden 14 Kunstwerke eigens für die Karlsruher Haltestellen geschaffen. Damit erhält der öffentliche Verkehrsraum eine künstlerische Dimension, die weit über eine klassische Kunst-am-Bau-Lösung hinausgeht.
Fachlicher Austausch und kollegiales Miteinander
Bei aller fachlichen Vielfalt war es vor allem der persönliche Austausch, der diesen Tag prägte. Mitglieder aus vier Landesverbänden kamen zusammen, lernten sich kennen und nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen über gemeinsame Themen, berufliche Erfahrungen und die Zukunft des BDB.
Die Landesvorsitzenden Gerhard Volk, Stefan Drees und Oliver G. Kleiner sowie die Präsidentin des BDB Baden-Württemberg, Ute Zeller, zeigten sich entsprechend sehr zufrieden mit dem Auftakt.
Fortsetzung folgt …
Die Premiere in Karlsruhe hat eindrucksvoll gezeigt, was im BDB|südwest steckt: vier Landesverbände, viele engagierte Mitglieder und jede Menge Möglichkeiten für gemeinsame Begegnungen. Ein ganz besonderer Dank gilt Ute Zeller für die Vorbereitung und die Organisation vor Ort. Der Auftakt macht zugleich Lust auf mehr: Im kommenden Jahr wird die gemeinsame Veranstaltung dann in einem anderen Bundesland stattfinden und damit erneut die Möglichkeit eröffnen, eine andere Region, ihre Architektur und ihre besonderen fachlichen Themen kennenzulernen. Nach diesem gelungenen Auftakt in Karlsruhe darf man gespannt sein, wohin die gemeinsame Reise im nächsten Jahr führt.
Gruppenfoto vor dem Karl-Friedrich-Denkmal
Die Landesvorsitzenden Gerhard Volk, Oliver G. Kleiner, Ute, Zeller und Stefan Drees (von links)
Karlsruher Schloss mit Karl-Friedrich-Denkmal
Platz der Grundrechte
Bundesverfassungsgericht
Bundesgerichtshof
Bundesanwaltschaft
Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM)
Fachvortrag „Kombilösung Karlsruhe“ von Dipl.-Ing. (FH) Peter Rothenhöfer
Unterirdische Straßenbahnhaltestelle