Genehmigungserleichterungen, einfachere Baustandards: die Politik hat erste Schritte gegen die Wohnungsbaukrise angekündigt und unternommen. Doch die Maßnahmen reichen nicht aus. Mit einem neuen Positionspapier fordert die Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ entschlosseneres Handeln. Der BDB warnt: Ohne eine Zeitenwende in der Wohnungspolitik drohen Menschen sich von der Politik abzuwenden, weil sie ihre realen Nöte nicht ernst nimmt.
Mit dem Positionspapier „Wohnungsbau jetzt möglich machen“ fordert die Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“, ein Bündnis von rund 30 Organisationen, eine grundlegende Stärkung des Wohnungsbaus. Der BDB hat das Papier mitgestaltet und unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen verlässliche Förderung, mehr sozialer Wohnungsbau, bessere Bedingungen für Wohneigentum sowie einfacheres Bauen und die Aktivierung zusätzlicher Flächen. Für 2026 rechnet das Bündnis mit weniger als 200.000 fertiggestellten Wohnungen – dem niedrigsten Stand seit 2011.
Ein Jahr nach Inkrafttreten des Bau-Turbos fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus. Zwar nutzen erste Kommunen die neuen Möglichkeiten, eine spürbare Wirkung bleibt aber aus.
Auch der geplante Basisstandard (Gebäudetyp E) soll das Bauen vereinfachen und Kosten senken. Der BDB begrüßt diesen Ansatz, fordert aber Rechtssicherheit, beherrschbare Haftungsrisiken und eine angemessene Vergütung zusätzlicher Planungsleistungen. Zur Ersteinschätzung des BDB.
Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie unsichere Förderbedingungen bremsen weiterhin Investitionen. Das Bündnis kritisiert deshalb die geplanten Kürzungen bei Neubauförderprogrammen im Bundeshaushalt 2027 und fordert eine dauerhafte und gestärkte soziale Wohnraumförderung.
Aus Sicht des BDB wird die gesellschaftliche Tragweite der Wohnungsbaukrise unterschätzt. Wenn immer mehr Menschen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen müssen und selbst mittlere Einkommen kaum noch angemessenen Wohnraum finden, gefährdet das den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie.
Wie konfliktträchtig die Wohnungsfrage werden kann, zeigen Proteste in Spanien und Frankreich. Auch in Deutschland wächst der politische Druck. Debatten über die Besteuerung ungenutzten Wohn- und Gewerberaums oder einen erleichterten Wohnungstausch verdeutlichen die zunehmende Dringlichkeit.
Der BDB warnt: Bleiben überzeugende politische Antworten aus, droht das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates weiter zu schwinden.
Der BDB fordert deshalb eine echte Zeitenwende im Wohnungsbau. Die Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum muss endlich die politische und finanzielle Priorität erhalten, die ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entspricht.
Notwendig sind eine massive und dauerhaft verlässliche Stärkung der öffentlichen Wohnungsbauförderung, langfristige Investitionssicherheit und die konsequente Verzahnung von Bau-Turbo, Gebäudetyp E und Förderprogrammen. Auch Nachverdichtungen, Umnutzungen und die Aktivierung des Gebäudebestands müssen stärker unterstützt werden. Die Nichtnutzung vorhandener Räume muss mit einem Malus belegt werden.
BDB-Hauptgeschäftsführer Martin Wittjen:
„Wir brauchen eine Zeitenwende im Wohnungsbau. Die Politik unterschätzt die gesellschaftliche Sprengkraft der Wohnungsnot. Wenn der Staat nicht endlich entschlossen gegensteuert, riskieren wir einen weiteren Vertrauensverlust in seine Lösungsfähigkeit. Bau-Turbo und Gebäudetyp E sind wichtige Schritte, aber ohne eine massive und verlässliche Stärkung der Wohnungsbauförderung reichen sie nicht aus. Bezahlbares Wohnen muss endlich die politische Priorität bekommen, die es verdient.“