Am 21. März 2026 fand in der ehemaligen NVA-Stadt Strausberg ein italienisch-deutscher Fachaustausch zur Umnutzung ehemaliger Regierungs- und Staatsbunker statt. Zu den Mitwirkenden zählte auch der BDB Berlin-Brandenburg, der sich mit seiner fachlichen Perspektive in die Veranstaltung einbrachte. Im früheren DDR-Postbunker nutzten Teilnehmende und Referenten die besondere Atmosphäre des Ortes für einen intensiven Erfahrungs- und Präsentationsaustausch.
Brandenburg war für diese Veranstaltung ein besonders geeigneter Standort. Nach der Wende entwickelte sich das Land unter Ministerpräsident Manfred Stolpe und dem Konversionsbeauftragten Roland Vogt aufgrund der Vielzahl militärischer Liegenschaften zu einem der führenden Bundesländer auf dem Gebiet der Konversion. Maßgeblich dazu beitrug das europäische INTERREG-Projekt CONVERNET (2003–2005), in dem gemeinsam mit mehreren Ostsee-Anrainerstaaten modellhafte Lösungen für die Umnutzung von Kasernen und Bunkern erarbeitet wurden. Aus dem Work Package „Festungen und Fortifikationen“ gingen zudem zwei Kulturrouten hervor, die sich bis heute wachsender Beliebtheit erfreuen.
Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die Diskussion um den Umgang mit dem verbunkerten Erbe jedoch neu entflammt. Erneut stellt sich die Frage, ob diese Bauwerke allein historische Zeugnisse sind oder ob ihnen künftig wieder eine Schutzfunktion zukommen könnte. Gerade dieser Spannungsbogen zwischen Erinnerungskultur, Denkmalpflege und aktueller sicherheitspolitischer Debatte prägte auch den fachlichen Austausch in Strausberg, an dem sich der BDB Berlin-Brandenburg aktiv beteiligte.
Den Auftakt bildete eine Einführung in die Geschichte des Festungsbaus und der sogenannten Architectura Militaris. Der Bogen spannte sich von Wall- und Grabenanlagen über römische Kastelle, mittelalterliche Burgen und Stadtbefestigungen bis hin zu Zitadellen, Fortanlagen des 19. Jahrhunderts und Bunkeranlagen des Kalten Krieges. Heute verbindet die europäische Kulturroute FORTE CULTURA zahlreiche aufgegebene Festungs- und Bunkeranlagen mit dem Ziel einer grenzüberschreitenden kulturhistorischen und touristischen Erschließung. Viele dieser Orte sind inzwischen Museen oder Gedenkstätten. Als Relikte einer Epoche permanenter Bedrohung machen sie eindrucksvoll sichtbar, wie eng Technik, Politik und Architektur miteinander verflochten sind – und wie wichtig Frieden und internationale Verständigung bleiben.
Bild: Forte Cultura
Foto: prinzmediaconcept.de, Tony Ettelt-Brundiers
Im Anschluss wurden an vier Beispielen Entwicklungsmöglichkeiten, Probleme und künftige Herausforderungen bei der Umnutzung ehemals staatsrelevanter Bunkerbauwerke des Kalten Krieges vorgestellt.
Der Bundesbank-Bunker in Cochem wurde ab 1962 errichtet, um im Krisenfall die Währungsstabilität zu sichern. Nach seiner Außerdienststellung Ende der 1980er-Jahre wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer. Heute ist sie ein Museum, das jährlich mehr als 40.000 Besucher anzieht.
Der Regierungsbunker im Ahrtal war als gewaltiger Atomschutzbunker für die Bonner Regierung konzipiert. In zwei miteinander verbundenen Tunneln mit einer Gesamtlänge von mehr als 17 Kilometern sollten im Ernstfall bis zu 3.000 Regierungsmitglieder untergebracht werden. Nach der Schließung wurde der Bunker zwischen 2001 und 2006 weitgehend zurückgebaut; ein Teil blieb als Museum und Dokumentationsstätte erhalten. Seit der Eröffnung 2008 wurde die Anlage von mehr als 1,1 Millionen Menschen besucht.
Eine vergleichbare Entwicklung zeigt der nördlich von Rom gelegene Monte-Soratte-Bunker. Die mehr als vier Kilometer lange unterirdische Anlage entstand zwischen 1937 und 1943. Zunächst diente sie der faschistischen Regierung Mussolinis, ab 1943 der deutschen Wehrmacht und nach dem Krieg bis 1962 als größtes Pulvermagazin Italiens. Nach der Kubakrise wurde der Komplex in den 1960er-Jahren zu einem atomgeschützten Bunker für die höchsten Amtsträger Italiens ausgebaut und blieb unter dem NATO-Geheimhaltungscode „Cosmic Top Secret“ bis 2008 geheim. Heute ist auch dieser Ort ein historisches Museum mit jährlich mehr als 40.000 Besuchern.
Der ehemalige Postbunker in Strausberg, Veranstaltungsort des Fachaustauschs, wird seit 2018 als Kultur- und Erinnerungsort genutzt. Die Anlage entstand zwischen 1979 und 1984 zum Schutz staatlicher Telekommunikationsstrukturen und diente der DDR als Notfallzentrale. Nach der Wiedervereinigung verlor der Bunker seine Funktion und verfiel über Jahre. Inzwischen wird er für kulturelle Veranstaltungen und Bildungsangebote genutzt. Der 600 Meter lange Galerietunnel zählt zu den längsten seiner Art in Europa.
Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob museal genutzte Bunker heute wieder ihre ursprüngliche Schutzfunktion übernehmen könnten, gab es nicht. Dies hängt nicht nur vom baulichen und technischen Zustand der Anlagen ab, sondern vor allem von politischen Entscheidungen darüber, welchen Schutz eine Gesellschaft künftig gewährleisten will.
Die gemeinsam von den Veranstaltern erarbeitete Broschüre „Bunker des Kalten Krieges entdecken“ sowie das von der Bundeszentrale für politische Bildung kostenfrei bereitgestellte Heft „Bevölkerungsschutz“ wurden von den Teilnehmenden mit großem Interesse aufgenommen. Der fachliche Austausch in Strausberg machte deutlich, wie wichtig Formate dieser Art sind – auch, weil Institutionen wie der BDB Berlin-Brandenburg dazu beitragen, historische, baukulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen zusammenzuführen.