Die neuen Emissionsdaten und Treibhausgasprojektionen des Umweltbundesamtes zeigen deutlich: Der Klimaschutz in Deutschland verliert an Tempo. Besonders alarmierend ist, dass sich die Klimaschutzlücke vergrößert und der Handlungsdruck im Gebäudesektor weiter steigt.
Aus Sicht des BDB darf daraus jedoch nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass weniger gebaut oder Wohnen weiter verteuert wird. Im Gegenteil: Wenn die CO2-Emissionen im Gebäudebereich trotz stark eingebrochener Baufertigstellungen, eines hohen Anteils klimafreundlicher Heizsysteme im Neubau und zahlreicher Nachrüstungen im Bestand steigen, ist offenkundig, dass die derzeitigen politischen Instrumente nicht wirken.
Martin Wittjen, Hauptgeschäftsführer des BDB: „Deutschland kommt beim Klimaschutz insgesamt zu langsam voran. Für den Gebäudesektor heißt das vor allem, dass wir ehrlicher über die Wirksamkeit der bisherigen Instrumente sprechen müssen. Wenn weniger gebaut wird, Neubauten immer klimafreundlicher werden und dennoch keine ausreichende Emissionsminderung erreicht wird, liegt das Problem nicht beim Bauen selbst, sondern bei den politischen Rahmenbedingungen.“
„Was derzeit schiefläuft, ist nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin“, so Wittjen. „Wir erleben seit Jahren eine Förder- und Regulierungspolitik, die hohe Erwartungen weckt, aber zu wenig verlässliche CO2-Minderung auslöst. Wer Klimaschutz im Gebäudesektor ernst meint, muss die Instrumente so ausrichten, dass sie in der Praxis funktionieren, Investitionen auslösen und bezahlbares Wohnen nicht weiter unter Druck setzen.“
Es braucht jetzt eine Kurskorrektur: Klimafreundlicher Neubau, energetische Modernisierung des Bestands und bezahlbarer Wohnraum müssen gemeinsam gedacht werden. Erforderlich sind Planungssicherheit, technologieoffene und praxistaugliche Lösungen, verlässliche Förderung sowie die Konzentration auf Maßnahmen mit tatsächlicher Hebelwirkung. Dazu gehören insbesondere Investitionen in klimaneutrale Wärmeversorgung und eine realistisch umsetzbare Modernisierung des Bestands.
„Wir brauchen keine Symbolpolitik gegen das Bauen”, so Wittjen, “sondern eine ehrliche Effizienzdebatte: Welche Maßnahmen senken Emissionen wirklich, welche sichern bezahlbares Wohnen und welche schaffen Akzeptanz? Daran muss sich die Politik messen lassen.“