Celle. Mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt folgten am vergangenen Freitagabend der Einladung des Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) ins Kunstmuseum Celle. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Celle auch künftig lebendig, attraktiv und zukunftsfähig gestaltet werden kann.
Zum Auftakt gaben zwei Impulsvorträge Denkanstöße. Prof. Uwe Brederlau, Leiter des Instituts für Städtebau und Entwurfsmethodik an der TU Braunschweig, stellte Konzepte zur Umgestaltung von Innenstädten und Wohngebieten vor. Ziel sei es, mehr Raum für Menschen zu schaffen und gleichzeitig den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.
Ranghild Sørensen, Pressesprecherin der Initiative „Changing Cities“ aus Berlin, zeigte anhand verschiedener Beispiele, dass auch Städte in der Größe Celles von einer veränderten Verkehrspolitik profitieren können. Dort, wo der Autoverkehr in Innenstädten auf Anlieferungen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen begrenzt wurde, seien nachweislich mehr Besucherinnen und Besucher in die Zentren gekommen.
Beide Vorträge machten deutlich: Stadtentwicklung umfasst weit mehr als Gebäude und Straßen. Entscheidend sind die Menschen, die ihre Stadt gestalten, Verantwortung übernehmen und ihre Ideen einbringen. Umso wichtiger sei der Dialog.
Die anschließende Podiumsdiskussion moderierte Audrey Struck, Geschäftsführerin von „Celle Heute“. Neben Prof. Brederlau und Ranghild Sørensen diskutierten Christoph Schild, Vizepräsident der Architektenkammer Niedersachsen und Bundesvorsitzender des BDB, Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge sowie Oberbürgermeisterkandidatin Karin Abbenhausen.
Ein Schwerpunkt war die künftige Verkehrsgestaltung in Celle. Viele Anwesende beschrieben die derzeitige Situation als belastend, störend oder teilweise gefährlich. Diskutiert wurde insbesondere, wie der Autoverkehr in der Innenstadt künftig geregelt werden kann. Während eine Position auf eine bessere Steuerung des Parkraums durch Digitalisierung setzt, wurde zugleich der Wunsch nach einer stärkeren Entlastung der Innenstadt deutlich. Attraktivere Parkmöglichkeiten am Stadtrand und Maßnahmen gegen den Durchgangsverkehr wurden als mögliche Ansätze genannt.
Auch die Bedingungen für den Radverkehr wurden kritisch bewertet. Christoph Schild verwies auf die aus seiner Sicht zu schmalen Radspuren zwischen Bahnhof und Innenstadt und machte deutlich, wie sehr die Gestaltung des öffentlichen Raums Sicherheit und Aufenthaltsqualität beeinflusst.
Ranghild Sørensen brachte einen grundsätzlichen Perspektivwechsel ins Spiel: „Wir müssen die Prioritäten bei der Verkehrsplanung neu ordnen: zuerst die Bedürfnisse der Fußgänger, dann die der Radfahrer und schließlich der noch notwendige Autoverkehr.“
Deutlich wurde, dass es nicht um ein Gegeneinander von Auto und Fahrrad geht, sondern um die Frage, wie der öffentliche Raum künftig gestaltet werden soll, damit sich Menschen sicher und gerne in der Stadt bewegen.
Auch die Anbindung des Landkreises und die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs wurden thematisiert. Vorgesehen sind unter anderem eine angepasste Fahrzeugflotte und eine engere, bedarfsgerechte Taktung. Mit einer spürbaren Wirkung dieser Maßnahmen wird allerdings erst in rund acht Jahren gerechnet.
Aus dem Publikum wurde deshalb der Wunsch nach schnellen umsetzbaren Verbesserungen laut – ein Anliegen, das bereits bei der Jugendkonferenz hohe Priorität hatte. Die Diskussion zeigte: Zukunftsfähige Stadtentwicklung braucht langfristige Konzepte ebenso wie kurzfristig sichtbare Fortschritte.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Umgang mit leerstehenden Geschäften und die Belebung der Innenstadt. Die Erfahrungen anderer Städte zeigen, dass vor allem die Vielfalt kleiner Geschäfte und individueller Angebote zu einer lebendigen Innenstadt beiträgt. Eine ausgewogene Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Gastronomie und besonderen Angeboten könne Leerstände reduzieren und Celle sowohl für Einheimische als auch für Gäste attraktiver machen.
Nach der Podiumsdiskussion nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die Gespräche auf der Dachterrasse des Kunstmuseums mit Blick auf das Celler Schloss fortzusetzen.
Für die BDB-Landesvorsitzende Susanne Witt, den Vorsitzenden der BDB-Ortsgruppe Celle, Jürgen Papenburg, sowie Julia Otto und Daphne Mattner vom Kunstmuseum stand fest, dass das Kunstmuseum mit seinem kreativen Umfeld den passenden Rahmen für den Austausch bot.
Die Veranstaltung machte deutlich: Zukunftsfähige Stadtentwicklung beginnt mit dem Dialog – und mit der Bereitschaft, neue Wege zu denken.
auf dem Podium: Dr. Jörg Nigge, Karin Abenhausen, Moderatorin Audrey Struck
Chr. Schild - BDB Präsident, Prof. Brederlau - TU Brausnchweig, R. Soerensen (Changing Cities)
Julia Otto und Daphne Mattner vom Kunstmuseum Celle
Podiumsdiskussion im Celler Kunstmuseum
Dachterrasse des Kunstmuseums mit Blick auf das Celler Schloss