Burg Eltz, Moselschleuse Müden und ein überraschender politischer Besuch: Der erste BDB-Ortstermin 2026 des Landesverbandes Rheinland-Pfalz am 6. August bot eine außergewöhnliche Verbindung von Architektur, Ingenieurwesen und aktuellen wasserpolitischen Zukunftsthemen.
Text: Oliver G. Kleiner
Fotos: Oliver G. Kleiner, Jürgen Fechtenkötter, Ulrich Zwinge
Unter dem Motto „Zwischen Burg und Schleuse“ führte der erste BDB-Ortstermin des Jahres von der historischen Burg Eltz mitten hinein in die aktuelle Infrastrukturpraxis an der Mosel. Rund 900 Jahre Bau- und Kulturgeschichte auf Burg Eltz trafen dabei auf moderne Wasserbau- und Verkehrsinfrastruktur an der Moselschleuse Müden.
Die Burg Eltz beeindruckte die BDB-Besuchergruppe mit ihrer einzigartigen, über Jahrhunderte gewachsenen Architektur. Die auf einem Felssporn gelegene Burg mit ihren acht Wohntürmen, zahlreichen Erkern, Fachwerkpartien und Dächern gilt als Inbegriff einer mittelalterlichen Ritterburg. Ihre Baugeschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Fachwissen aus erster Hand an der Moselschleuse
Der fachliche Schwerpunkt des Tages lag anschließend auf der Moselschleuse Müden. Für den BDB war es ein besonderer Gewinn, mit Ulrich Zwinge, Fachbereichsleiter Wasserstraßen beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn, Standort Koblenz, einen ausgewiesenen Fachmann unmittelbar vor Ort als Referenten und Gesprächspartner zu haben. Er vermittelte in seinem ausführlichen und ausgesprochen informativen Fachvortrag nicht nur grundlegende Einblicke in die Funktion und Bedeutung der Schleusenanlage, sondern stellte auch die besonderen Herausforderungen des Betriebs, der Unterhaltung und der Instandsetzung einer solchen Anlage anschaulich dar.
Besonders eindrucksvoll war, dass die theoretischen Ausführungen unmittelbar anschließend in der Praxis nachvollzogen werden konnten. Bei der Führung erhielten die BDB-Teilnehmer:innen unter anderem einen Einblick in das Schleusenbüro und damit in die technische und organisatorische Steuerung des laufenden Schleusenbetriebs.
Als besonderer Höhepunkt konnte die Gruppe außerdem eine Fahrgastschiffsschleusung live miterleben. Damit wurde unmittelbar sichtbar, wie die zuvor erläuterten technischen Abläufe im täglichen Betrieb funktionieren.
Der BDB bedankt sich ausdrücklich bei Ulrich Zwinge für seine umfassenden Erläuterungen und die sehr persönliche und praxisnahe Gestaltung des Programms. Sein Fachvortrag und die Führung machten die Besichtigung zu einem ausgesprochen lehrreichen Blick hinter die Kulissen einer Bundeswasserstraße.
Die Havarie vom Dezember 2024
Einen breiten Raum in der Präsentation nahm die Havarie vom Dezember 2024 ein. Nach der Kollision eines Gütermotorschiffes mit dem Untertor war die Schleuse schwer beschädigt worden. Die Folgen waren für die Schifffahrt auf Mosel und Saar erheblich.
Mit großem technischem und organisatorischem Einsatz gelang es den Beschäftigten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes jedoch bereits wenige Tage später, einen Notbetrieb mit Dammbalken einzurichten. Die anschließende Wiederherstellung der Schleuse wurde zu einer besonderen ingenieurtechnischen Leistung. Bereits am 1. Februar 2025 – weniger als acht Wochen nach der Havarie – konnte die Schleuse wieder für den regulären Schiffsverkehr freigegeben werden.
Für die BDB-Besuchergruppe war es besonders interessant, die Ereignisse nicht nur aus der Berichterstattung zu kennen, sondern sie von einem unmittelbar verantwortlichen Fachmann erläutert zu bekommen und anschließend das betroffene Bauwerk selbst in Augenschein nehmen zu können.
Wasserstraßen als Zukunftsaufgabe
Die Besichtigung machte deutlich, welche zentrale Bedeutung eine leistungsfähige und resiliente Wasserstraßeninfrastruktur für Rheinland-Pfalz und darüber hinaus besitzt. Dabei ging es nicht allein um die Schifffahrt. Auch Wassermanagement, Hochwasserschutz und die Nutzung der Wasserkraft sind zentrale Zukunftsfragen.
Ein Teilnehmer brachte die Bedeutung des Ortstermins treffend auf den Punkt:
„Wieder ein Volltreffer, lieber Herr Kleiner!
Die Sicherung der Schiffbarkeit unserer Bundeswasserstraßen, die grundlastfähige und nachhaltige Stromerzeugung aus Wasserkraft sowie das Wassermanagement durch Wehranlagen war eines der großen Themen in der Enquete zur Ahrflut und ist eines der großen Themen der kommenden Legislaturperioden.“
Damit wurde zugleich die Brücke zu den aktuellen Herausforderungen der Bau- und Infrastrukturpolitik geschlagen. Der BDB-Ortstermin zeigte sehr anschaulich, dass Wasserstraßen nicht isoliert betrachtet werden können: Sie verbinden Verkehr, Energie, Hochwasserschutz, Wasserwirtschaft, Ökologie und regionale Entwicklung.
Überraschender Besuch von Staatssekretärin Dr. Kristina Brixius
Ein besonderer Höhepunkt und zugleich eine schöne Wertschätzung für den BDB war der überraschende Besuch der neuen Staatssekretärin im Umweltministerium, Dr. Kristina Brixius, an der Moselschleuse Müden. Auf Initiative des ehemaligen Landtagsabgeordneten und Architekten Gerd Schreiner kam Dr. Brixius eigens zum BDB-Ortstermin und informierte sich vor Ort über die Schleusenanlage und die damit verbundenen wasserwirtschaftlichen und infrastrukturellen Fragestellungen.
Dass die Staatssekretärin sich persönlich die Zeit nahm, mit dem BDB ins Gespräch zu gehen und sich unmittelbar vor Ort über die Herausforderungen einer Bundeswasserstraße zu informieren, unterstreicht die Bedeutung des fachlichen Dialogs zwischen Politik, Verwaltung sowie den planenden und bauenden Berufen.
Gerade die Verbindung von Schifffahrt, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, Wasserkraft und Infrastruktur machte die Moselschleuse Müden dabei zu einem besonders geeigneten Ort für diesen Austausch.
Gelungener BDB-Ortstermin
Der erste BDB-Ortstermin 2026 verband auf besondere Weise Baukultur, Technik und aktuelle Infrastrukturpolitik. Die BDB-Baumeister:innen konnten historische Baukunst erleben, aktuelle Ingenieurleistungen nachvollziehen und zugleich mit Fachleuten und politischen Verantwortlichen über die Herausforderungen der kommenden Jahre diskutieren.
Den Abschluss bildete ein gemeinsames Abendessen im Treiser Bootshaus in Treis-Karden, bei dem die vielen Eindrücke des Tages in entspannter Atmosphäre weiter diskutiert werden konnten.
Burg Eltz / Besichtigung der Burg Eltz / Gruppenfoto
Besichtigung der Moselschleuse Müden - fachkundiger Vortrag von Ulrich Zwinge, Fachbereichsleiter Wasserstraßen beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn
Einblick in das Schleusenbüro und in die technische Steuerung des laufenden Schleusenbetriebs
Besichtigung der Moselschleuse Müden – unter Führung von Ulrich Zwinge
Fahrgastschiffsschleusung „live“
Havarie 2024 – Fotos des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mosel-Saar-Lahn
Überraschender Besuch: Staatssekretärin Dr. Kristina Brixius, mit dem ehemaligen Landtagsabgeordneten Gerd Schreiner (links) und BDB Landesvorsitzenden Oliver G. Kleiner
Gemütlicher Ausklang im Treiser Bootshaus