Im Mittelpunkt stand die Besichtigung des Hauses mit Dr. Frank Dengler, der sich wissenschaftlich mit dem Bauen in historischer Umgebung beschäftigt hat. Seine Einblicke machten deutlich, wie sensibel und zugleich präzise der Umgang mit einem Kirchenbau sein muss, der architektonisch, kulturell und stadträumlich eine besondere Bedeutung besitzt.
Das Musikforum selbst ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie aus einem vermeintlichen Widerspruch eine architektonische Stärke entstehen kann: Die ehemalige St.-Marien-Kirche wurde nicht ersetzt, sondern zum Herzstück des Ensembles gemacht. Das Kirchenschiff dient heute als Foyer und verbindender Raum zwischen den neu hinzugefügten Konzert- und Probensälen. Der Entwurf des Stuttgarter Büros Bez + Kock überzeugte damals im Wettbewerb gerade deshalb, weil er den Charakter des Bestands nicht überformte, sondern weiterdachte.
Über Jahrzehnte suchten die Bochumer Symphoniker nach einer eigenen Spielstätte. Erst mit einem breiten bürgerschaftlichen Engagement, privaten Spenden und Fördermitteln konnte das Projekt realisiert werden. 2016 wurde das Musikforum eröffnet.
Architektonisch lebt das Ensemble vom Dialog zwischen Alt und Neu. Die Backsteinkirche bleibt als identitätsstiftender Solitär sichtbar, während die Neubauten mit hellem Ziegel und Kupfer bewusst zurückhaltend formuliert sind. Auch akustisch gilt das Haus als herausragend – insbesondere der große Konzertsaal mit seinem aufwendig abgestimmten Raumvolumen und den fein ausgearbeiteten Holzoberflächen.
Das Anneliese Brost Musikforum Ruhr zeigt eindrucksvoll, wie Transformation funktionieren kann – respektvoll, präzise und mit großer kultureller Wirkung für die Stadt.
Vielen Dank an alle Beteiligten für den intensiven Austausch und die spannenden Einblicke.