Direkt zum Inhalt wechseln
30. Mai 2026 | Aus der Branche | Leipzig

Baustellenbesichtigung GLOBAL-HUB Leipzig

Der GLOBAL-HUB Leipzig verbindet Forschungsarchitektur, Städtebau und Holz-Hybridbau. Beim der Baustellenbesichtigung erläuterten die Referierenden die städtebauliche Einbindung, innovative Tragwerkslösungen sowie Herausforderungen von Vorfertigung, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Forschungsarchitektur, Holz-Hybridbau und die Realität des Bauens

Am 29. Mai 2026 erhielten die Teilnehmenden einer rund zweistündigen Fachveranstaltung Einblicke in eines der derzeit bedeutendsten Hochschulbauprojekte Sachsens: den GLOBAL HUB der Universität Leipzig am Wilhelm-Leuschner-Platz.

Durch die Veranstaltung führten Prof. Ansgar Schulz und Elisa Thänert von Schulz und Schulz Architekten sowie Dr.-Ing. Matthias Stengler von Mathes Beratende Ingenieure. Häufig wurde dabei auch auf die Rolle des Bauherrnvertreters Ingo Fischer vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) Bezug genommen, dessen pragmatischer Leitsatz „Lasst uns unseren Verstand benutzen“ mehrfach als Sinnbild für die Projektentwicklung genannt wurde.

Forschung als Ausgangspunkt der Architektur

Zu Beginn erläuterte Prof. Ansgar Schulz die wissenschaftliche Idee hinter dem Gebäude. Der GLOBAL HUB ist nicht lediglich ein Universitätsgebäude, sondern die bauliche Heimat eines internationalen Forschungszentrums, das sich mit globalen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigt. Beispielhaft wurden Forschungsprojekte zu historischen und sozialen Verflechtungen wie dem sogenannten transatlantischen Sklavendreieck zwischen Europa, Afrika und Amerika genannt.

Die Finanzierung des Forschungsauftrags erfolgt über umfangreiche Fördermittel der Europäischen Union sowie Eigenmittel des Freistaates Sachsen. Während ein Teil dieser Mittel in wissenschaftliche Programme und Personalkosten fließt, bildet der Neubau des GLOBAL HUB die räumliche Grundlage für die langfristige Forschungstätigkeit.

Bemerkenswert ist dabei die Projektkonstellation: Die Grundstücke befanden sich teilweise im Eigentum der Stadt Leipzig und teilweise im Eigentum des Freistaates Sachsen. Durch entsprechende Grundstücks- und Rechteübertragungen konnten die Voraussetzungen für die Realisierung des Bauvorhabens geschaffen werden. Die Baukosten werden dabei ausschließlich durch EU-Fördermittel und den Freistaat Sachsen getragen. Weder die Stadt Leipzig noch die Universität Leipzig beteiligen sich unmittelbar an der Finanzierung des Gebäudes.

Städtebauliche Antwort auf einen unvollendeten Platz

Der GLOBAL HUB besetzt eine Schlüsselposition innerhalb der Entwicklung des Wilhelm-Leuschner-Platzes. Schulz und Schulz verfolgen dabei keinen spektakulären Solitärgedanken, sondern reagieren präzise auf die stadträumliche Situation.

Das Gebäude orientiert sich zum südlich angrenzenden Grünraum und formuliert gleichzeitig einen klaren Abschluss dieses Freiraums. Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz entsteht eine offene und einladende Fassadenstruktur, die den öffentlichen Charakter des Gebäudes unterstreicht.

Besondere Aufmerksamkeit galt der bewusst ausgebildeten Fuge zwischen GLOBAL HUB und der benachbarten Markthalle. Diese setzt sich durch eine reduzierte Zweigeschossigkeit deutlich vom Hauptbaukörper ab und hält zugleich die städtebauliche Option einer zukünftigen Stadthalle offen. Während viele Gebäude den Platz adressieren, bildet der GLOBAL HUB gewissermaßen dessen zukünftige Rückseite aus und schafft damit eine neue räumliche Orientierung innerhalb des Entwicklungsgebiets.

Der Haupteingang wird durch ein Zurückweichen des Baukörpers markiert. Die entstehende Vorzone schafft einen Vorhof, der den Übergang zwischen öffentlichem Stadtraum und Gebäude vermittelt und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für Fußgänger verbessert.

Vom klassischen Büro zum Forschungsnetzwerk

Im Verlauf der Planung zeigte sich, dass die ursprünglich vorgesehenen Büroräume mit rund 18 Quadratmetern den Anforderungen moderner Forschungseinrichtungen nicht vollständig gerecht werden. In enger Abstimmung zwischen Architekten und Bauherrschaft wurde das Raumprogramm weiterentwickelt und um größere Arbeits- und Kommunikationsbereiche ergänzt.

Der GLOBAL HUB reagiert damit auf veränderte Arbeitsformen in Forschung und Wissenschaft. Nicht mehr das Einzelbüro steht im Mittelpunkt, sondern die Förderung von Austausch, Interaktion und interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Holz-Hybridbau als konstruktive Konsequenz

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Tragwerksplanung und der Umsetzung des Holz-Hybridkonzeptes.

Obwohl ein Holzbau im Wettbewerb nicht ausdrücklich gefordert war, entsprach die Konstruktion den Nachhaltigkeitszielen des Projekts. Allerdings zeigte sich früh, dass die ursprünglich zulässige Traufhöhe von 22 Metern die gewünschte Konstruktion erheblich eingeschränkt hätte. Erst durch die Erhöhung auf 23,80 Meter konnte die geplante Holz-Hybridlösung wirtschaftlich und technisch sinnvoll umgesetzt werden.

Das Tragwerk kombiniert massive Bauteile in den unteren Geschossen mit einem darüberliegenden Holz-Beton-Hybridsystem. Die unteren Ebenen wurden überwiegend in Stahlbeton ausgeführt und übernehmen die hohen Lasten sowie die Aussteifung des Gebäudes. Darüber folgt eine weitgehend sichtbare Holzkonstruktion, die bewusst Teil des architektonischen Ausdrucks ist.

Dabei wurde deutlich, dass die Leistungsfähigkeit moderner Holztragwerke weniger durch die Tragfähigkeit der Holzquerschnitte begrenzt wird als durch die konstruktive Ausbildung der Verbindungen. Diese Erkenntnis erinnert stark an den Betonfertigteilbau, bei dem ebenfalls die Anschlusspunkte häufig die entscheidenden Bemessungsgrößen darstellen.

Frühzeitige Planung als Voraussetzung industriellen Bauens

Mehrfach betonten die Referenten, dass industrielle Vorfertigung eine deutlich frühere Planungstiefe erfordert als konventionelle Bauweisen.

Wer mit Holzfertigteilen bauen möchte, muss die späteren Konstruktionsprinzipien bereits in frühen Entwurfsphasen berücksichtigen. Viele Entscheidungen der Leistungsphase 5 müssen faktisch bereits während der Leistungsphase 3 vorbereitet werden.

Für den GLOBAL HUB wurden deshalb frühzeitig feste Raster und Modulgrößen definiert. Die Hauptträger folgen einem Achsraster von 7,50 Metern. Die Fassadenmodule besitzen Abmessungen von 3,75 mal 7,50 Metern und wurden vollständig vorgefertigt angeliefert. Mit durchschnittlich sieben Fassadenelementen pro Woche konnte die Gebäudehülle zügig geschlossen werden.

Die Deckenkonstruktion besteht aus Holzbalkenlagen mit einem Raster von 1,25 Metern. Darauf wurden Betonfertigteile mit einer Breite von 2,50 Metern verlegt und durch einen rund zwölf Zentimeter starken Aufbeton ergänzt.

Konstruktion sichtbar machen

Ein zentrales Leitmotiv des Projekts ist die Ehrlichkeit der Konstruktion. Wo immer möglich, bleiben die tragenden Bauteile sichtbar.

Im Erdgeschoss wurde bewusst auf Unterzüge verzichtet. Dadurch entstehen nicht nur großzügige Raumwirkungen, sondern auch erhebliche Vorteile für die technische Gebäudeausrüstung, die ohne aufwendige Umführungen geführt werden kann.

Die sichtbaren Baubuche-Stützen sowie die Holzträger prägen die Atmosphäre des Gebäudes und vermitteln die konstruktive Logik unmittelbar an die Nutzenden.

Grenzen des Holzbaus

Neben den Vorteilen wurden auch die Grenzen moderner Holzbauweisen offen diskutiert.

Insbesondere Forschungs- und Laborgebäude stellen hohe Anforderungen an Schwingungsverhalten und Steifigkeit. Rein aus Holz errichtete Tragwerke stoßen hierbei teilweise an ihre Grenzen, da empfindliche Messgeräte und technische Einrichtungen nur sehr geringe Schwingungen tolerieren.

Der GLOBAL HUB zeigt daher keinen dogmatischen, sondern einen pragmatischen Umgang mit dem Baustoff. Holz wird dort eingesetzt, wo seine Eigenschaften Vorteile bieten. Wo technische Anforderungen andere Lösungen erfordern, kommen Beton oder hybride Konstruktionen zum Einsatz.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war der Brandschutz. Die Referenten erläuterten, dass die Bemessung der tragenden Holzkonstruktion so erfolgt, dass die Tragfähigkeit der Holzbauteile im Brandfall unabhängig von der darüberliegenden Betonschicht nachgewiesen werden muss. Die eingesetzten Verbindungsmittel und die Ausbildung der Anschlüsse spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Dauerhaftigkeit, Rückbau und Kreislaufwirtschaft

Eine besonders interessante Diskussion entwickelte sich um die Frage der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen.

Die eingesetzten Vollgewindeschrauben verbinden die Holzbauteile dauerhaft miteinander. Durch die Reibungswärme beim Einbau entstehen lokal starke Verdichtungen und Verhärtungen im Holz. Zwar können die Verbindungen theoretisch wieder gelöst werden, die praktische Wiederverwendung der Bauteile erscheint jedoch schwierig. Insbesondere die Unsicherheit über verbleibende Verbindungsmittel stellt für spätere Bearbeitungen in Sägewerken oder Zimmereien ein erhebliches Problem dar.

Auch die Gründung wurde unter dem Aspekt zukünftiger Generationen diskutiert. Kritisch betrachtet wurden dauerhaft im Boden verbleibende Bohrpfähle. Alternative Systeme wie Spundwände oder Berliner Verbau könnten unter Rückbau- und Kreislaufgesichtspunkten langfristig Vorteile bieten, da sie nach Abschluss der Baumaßnahme wieder entfernt werden können.

Die Diskussion zeigte eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit nicht allein eine Frage der Materialwahl ist, sondern zunehmend den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes umfasst – von der Herstellung über die Nutzung bis hin zu Rückbau und Wiederverwendung.

Bauen mit Holz verlangt Geschwindigkeit

Ein weiterer praxisnaher Aspekt betraf den Bauablauf. Holz benötigt während der Montage besonderen Schutz vor Feuchtigkeit. Entweder muss die Konstruktion sehr schnell geschlossen werden oder es sind aufwendige Schutzmaßnahmen wie Gerüstdächer erforderlich.

Die industrielle Vorfertigung der Fassaden- und Deckenelemente ermöglichte beim GLOBAL HUB eine hohe Baugeschwindigkeit und reduzierte damit die Risiken für die Holzkonstruktion erheblich. Die Fassadenelemente wurden vollständig vorgefertigt angeliefert und unmittelbar montiert. Dadurch konnte der Baukörper Schritt für Schritt zügig wetterdicht hergestellt werden.

Historische Substanz und neue Anforderungen

Auch die schwierigen Rahmenbedingungen des innerstädtischen Bauens wurden thematisiert. Für die Herstellung der Baugrube mussten Teile der historischen Gewölbestrukturen der ehemaligen Markthalle zurückgebaut werden. Nach Aussage der Referenten war dieser Eingriff bedauerlich, aus konstruktiven und bauablauftechnischen Gründen jedoch unvermeidbar.

Die Diskussion verdeutlichte den ständigen Spannungsbogen zwischen dem Erhalt historischer Substanz und den Anforderungen zeitgemäßer Forschungs- und Hochschulbauten. Gerade an einem so sensiblen Standort wie dem Wilhelm-Leuschner-Platz werden diese Zielkonflikte besonders sichtbar.

Fazit

Der GLOBAL HUB ist weit mehr als ein weiterer Hochschulbau. Das Projekt verbindet Forschungsarchitektur, städtebauliche Entwicklung und moderne Holz-Hybridbauweise auf bemerkenswerte Weise.

Besonders eindrucksvoll war die Offenheit, mit der die Referenten nicht nur die Stärken, sondern auch die Grenzen des Holzbaus, die Herausforderungen industrieller Vorfertigung und die Fragen zukünftiger Kreislaufwirtschaft diskutierten.

Für die Teilnehmenden bot die Veranstaltung einen seltenen Einblick in die komplexe Realität eines anspruchsvollen Forschungsbaus – von der städtebaulichen Idee über die Tragwerksplanung bis hin zu Fragen des späteren Rückbaus.

Der GLOBAL HUB zeigt beispielhaft, wie Architektur, Ingenieurbau und Forschung gemeinsam neue Wege für das Bauen der Zukunft entwickeln können. Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass Innovation nicht allein durch neue Materialien entsteht, sondern durch das intelligente Zusammenspiel von Bauherrschaft, Planung, Forschung und Ausführung. Gerade diese interdisziplinäre Zusammenarbeit war es, die während des Vortrags und der Baustellenbesichtigung immer wieder als wesentlicher Erfolgsfaktor sichtbar wurde.

Nachrichten alle Nachrichten

27. Mai 2026 | Berufspolitik Bund

Baugesetzbuch-Upgrade ist richtiges Signal – jetzt kommt es auf Praxistauglichkeit an

Entscheidend ist nun, dass die Beschleunigung von den Kommunen umgesetzt werden kann und dass die neuen Regeln vor allem gezielt dem bezahlbaren Wohnraum dienen.
26. Mai 2026 | Aus der Branche BDB Braunschweig Wolfenbüttel Salzgitter Helmstedt Göttingen

BDB lädt ein zum Sommerfest 2026 - melden Sie sich jetzt an

Gut eingeführte Traditionen sollte man beibehalten ... drum laden wir als Bezirksgruppe des BDB Braunschweig auch dieses Jahr am 26. Juni zusammen mit dem BDA zum ausgelassenen Sommerfest ins Haus der Baukultur an den Ufern der Oker ein.
23. Mai 2026 | Verbandsnachrichten Sömmerda-Weimar-Pößneck

Jahresplan BG Sömmerda, Weimar, Pößneck

Jahresplan BG Sömmerda, Weimar, Pößneck
22. Mai 2026 | Aus der Branche BDB Braunschweig Wolfenbüttel Salzgitter Helmstedt Göttingen

BDB 2026. DIE Party fällt aus!

Schweren Herzens müssen wir heute mitteilen, dass die geplante BDB-Party am 5. Juni 2026 im Autohaus Rosier in Braunschweig leider nicht stattfinden kann.
22. Mai 2026 | Aus der Branche Bund

Mehr Tempo, mehr Flexibilität: BDB unterstützt Appell für den Wohnungsbau

Der BDB unterstützt den Verbände-Appell für einen echten Bau-Turbo und fordert zusätzlich mehr Flexibilität am Wohnungsmarkt – durch Anreize für Wohnungstausch und Wohnungswechsel sowie Renditeverzicht kommunaler Wohnungsbaugesellschaften.
19. Mai 2026 | Aus der Branche Nordrhein-Westfalen

Holzbaupreis NRW 2026

Der Holzbaupreis NRW 2026 ist gestartet: Gesucht werden innovative Holzbauprojekte aus Nordrhein-Westfalen, die mit Nachhaltigkeit, Klimaschutz und architektonischer Qualität überzeugen. Einreichungen sind bis zum 30. Juni 2026 möglich.
18. Mai 2026 | Verbandsnachrichten Ansbach / Westmittelfranken

Kurzfristig anmelden: BDB Baudialog am 28. Mai

Kurzfristig anmelden: BDB Baudialog am 28. Mai Innovative Fassadensysteme, spannende Fachimpulse und Austausch mit Kolleginnen und Kollegen: Der BDB Baudialog in Ansbach widmet sich diesmal dem Thema „Vorgehängte hinterlüftete Fassaden“.
18. Mai 2026 | Verbandsnachrichten Nordrhein-Westfalen

Bezirksgruppe Hellweg stellt sich neu auf

Die Bezirksgruppe Hellweg des BDB NRW hat sich auf ihrer Jahreshauptversammlung neu aufgestellt, um die berufspolitische Arbeit der Bezirksgruppe auch zukünftig aktiv zu gestalten.
18. Mai 2026 | Verbandsnachrichten Nordrhein-Westfalen

Bestand weiterbauen: BDB.NRW RegioTalk im Anneliese Brost Musikforum Bochum

Am 13.05.2026 führte der Regio Talk nach Bochum – an einen Ort, der beispielhaft zeigt, wie aus Bestand Zukunft entstehen kann: das Anneliese Brost Musikforum Ruhr.