Für die 18 Mitreisenden war es nicht nur eine Reise in die 440 km entfernte Welterbestadt Quedlinburg, sondern auch eine Zeitreise 1000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Lag doch das Machzentrum des sich vom Frankenreich Karls des Großen abspaltenden ostfränkischen Reiches zu der Zeit rund um den Harz mit seinen Kaiserpfalzen. Heinrich I., erster König dieses sich später als ‚Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation‘ nennende Staatsgebilde ist in Quedlinburg begraben.
Aus dieser Zeit haben sich etliche Zeitzeugen romanischer Baukunst unverfälscht durch spätere Umbauten erhalten, so auch die Stiftskirche von Gernrode, die wir besichtigen konnten. In Bayern finden wir derartiges nur noch selten, da alles mit spätbarocker Pracht überformt wurde, was in den protestantisch geprägten Gebieten unterblieb.
Quedlinburg mit seinen über 2100 Fachwerkhäusern aus über 800 Jahren und 5 Stilepochen ist für Baufachleute natürlich ein interessantes Thema. Mit einer Architektin haben wir einige ihrer Sanierungsvorhaben besichtigt und über die vor allem bauphysikalischen und statischen Probleme einer fachgerechten Sanierung diskutiert. So manches Fachwerk wurde auch schon kaputtsaniert.
Interessant waren auch die Versuche aus den 80-iger Jahren, den Verfall durch Abriss und moderne Ersatzbauweisen aufzuhalten. Um wenigstens die Fassaden individuell dem Fachwerk anzupassen, wurde die monolithische Querwandbauweise angewandt.
Auch ein Parcours durch die Stadtgeschichte an Hand der Bildausstattung des Ratssaales fand großen Anklang. Und am Welttag der Stadtführer gab es das auch noch ganz umsonst
Auf der Rückfahrt ergab sich noch die Gelegenheit, in Bad Lauchstädt südlich von Halle durch das dort von Goethe initiierte Sommertheater mit seiner original erhaltenen und immer noch benutzten Bühnentechnik geführt zu werden.
Für uns Bayern ist es doch immer wieder überraschend, das deutsche Geschichte und Kultur sich auch nördlich des Weißwurstäquators ereignet haben
Peter Schewe
Fot: BDB Regensburg